Mai 09. — 24. 2015 | Nschotschi Haslinger Shoe’s Moon

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Wir laden euch und eure Freunde herzlich zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag den 08. Mai 2015 um 19 Uhr ein.

NSCHOTSCHI HASLINGER
Shoe´s Moon

09.05.2015 – 24.05.2015
In seinen antiken Methamorphosen beschreibt Ovid bereits auf tragische Weise das Verhältnis zwischen Statue und menschlichem, lebendigem Körper: Im Mythos um Pygmalion und Galatea fertigt der Bildhauer Pygmalion in seiner Verdrossenheit über die leibhaftigen Frauen, ein ideales Abbild seiner Träume aus Elfenbein. Zunehmend behandelt er seine nun endlich treue Begleiterin wie einen Menschen und erweckt sie in seiner liebenden Umarmung eines Tages schließlich zum Leben. In Form diverser Allegorien um Malerei und Skulptur brach in der Renaissance auf diesem Nährboden ein regelrechter „Wettstreit der Künste“ um die Vorrangstellung von Malerei und Bildhauerei aus. Mit dem phantastischen Vorbild einer Galatea im Sinn und der Absicht malerische Mittel zu übertrumpfen erschufen Bildhauer ganze Skulpturen-Gruppen die besonderes in der Ausarbeitung ihrer Haut oder einer Bewegung Lebendigkeit und Geschichten evozieren und ihrem menschlichen Vorbild so möglichst nahe kommen sollten.

Die 1982 in Eitorf geborene Künstlerin Nschotschi Haslinger greift in ihrem Film „Shoe´s Moon“ (2015) das vielschichtige Verhältnis von Statue und Mensch in verschiedenen, traumhaften Sequenz auf und verweist damit parallel auf surrealistische Ausdrucksformen. In Anlehnung an Jean Cocteaus „Das Blut eines Dichters“ (1930) indem der Protagonist einen gezeichneten, roten Mund mit seiner Hand auf eine Statue presst und sie so zum Leben erweckt bedient sich Haslinger einer Erzählstruktur und Bildsprache, die mystisch bis phantastisch aufgeladen ist. Eingangs hält ein junges Mädchen, deren Lippen rot auf ihrer weiß geschminkten Haut leuchten, eine brennende Kerze in ihrer einen, eine Blume in ihrer anderen Hand. Entgegen klassischer Deutungsformen versteht Haslinger die Kerze in Gegenüberstellung mit einer erwachsenen Frau hier jedoch eher als ein Symbol für Entwicklung und fortschreitende Zeit, denn als einen unweigerlichen Verweis auf Tod und Vergänglichkeit. Weitere Raum-Zeit Assoziationen werden durch eine schleifende, sich drehende Scheibe, mit einer schwarz, weiß aufgemalten Spirale erzeugt, die in ihrer Zweidimensionalität an Opart erinnernde Räumlichkeit entwickelt. Oder durch ein werkwürdig tanzendes, fliegendes Paar schwarzer Damenschuhe, die unter sich im Schnee etwas Rotes, scheinbar organisches zurücklassen und wie die Seele ihrem Körper langsam zu entschwinden scheinen.

Die Schuhe als Requisite des Filmes finden sich auch als Skulptur in der Ausstellung wieder und transferieren so das Verhältnis von Statue und Mensch und korrelierende Unterschiedlichkeit des Materials auf eine weitere Ebene. Gemeinsam mit anderen Gegenständen des Filmes sowie Schuhen und Füßen aus Keramik werden sie in einer schaufensterähnlichen Situation präsentiert. „Die Schuhe, also das Schuhschaufenster haben einerseits Warencharakter, doch in ihrer Abgetragenheit und Überkommenheit verweisen sie auf deren imaginäre Träger oder auf die Anwesenheit von Abwesenheit. Manche Paare sind auch mehr Füße als Schuhe, Fragmente einer Figur.“(Nschotschi Haslinger)

Mit surrealistischen Mitteln, die hier vor allem auch eine objektive Wirklichkeit ad absurdum setzen, thematisiert Haslinger so ein immer fortwährendes Bedürfnis künstlerischer Auseinandersetzung — das menschliche Sein und Streben abzubilden. Die Frage des verwendeten Medium — filmischer, bildhauerischer, malerischer Art — scheint dabei auf der stetig andauernden Suche nach einem nicht existierenden Ideal zurückgeblieben zu sein.

Rosa Windt

 

 

 

 

Galerie Genscher/Park, Millerntorplatz 27–48, 20359 Hamburg (U3 St.
Pauli) am südlichen Eingang zu den Großen Wallanlagen/Planten un Blomen.

Link zum Lageplan -> hier

Mit freundlicher Unterstützung durch die Kulturbehörde Hamburg und Hanse
Repair, in Kooperation mit “Planten un Blomen”.