15. Mai 2015| Thomas Zipp METHOD OF AVERAGE ERROR

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Die Performance startet gegen 20 Uhr in der Galerie Kai Erdmann und wird ihren Endpunkt mit Konzert ab 22 Uhr in der Galerie Genscher/Park finden.

https://www.facebook.com/events/1731822740378087/1738830703010624/

Thomas Zipp

RRR. (METHOD OF AVERAGE ERROR)

Ekstase ist ein Begriff, der sowohl psychologisch als auch religionswissenschaftlich Verwendung findet. In beiden Fällen ist ein Zustand des „außer sich seins“ gemeint, in dem die Wahrnehmung der Betroffenen in Folge des Realitätsverlustes über ein reales Bewusstsein hinaus erhöht und offenbart scheint. Bereits in der Antike wurde das regelrechte „Heraustreten der Seele aus dem Körper“, in Form von religiöser Raserei oder Rauschzuständen kollektiv beabsichtigt und herbeigeführt. Auch in zahlreichen afrikanischen und indonesischen Religionen sind solche, durch bestimmte Musik und rhythmische Bewegungen, ritenhaft hergestellte Zustände als Teil kultureller Praxis belegt. Die Funktion und inhärente Absicht des Besessenheitszustandes ermöglicht dem jeweiligen Medium den Vorstellungsrahmen der Tradition zu verlassen und „im Namen der Geister und Ahnen“ Neuerungen und Sanktionen zu verkünden. Ihm kommt so eine Autorität zu Teil, die keiner rationalen, traditionellen oder gar wissenschaftlichen Größe Rechenschaft schuldig ist.
Der in Berlin lebende Künstler Thomas Zipp setzt sich in seinem Werk mittels raumgreifender, multimedialer Installationen und Performances mit solchen gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen auseinander und überprüft sie auf ihre Aktualität. Es stellt sich insbesondere die Frage inwiefern derartige Ekstase und Besessenheitszustände in einer westlich geprägten Zivilisation anwendbar beziehungsweise obsolet geworden und durch andere „Medien“ ersetzt worden sind.
Der Ausstellungstitel „RRR. (Method Of Average Error)“ entspringt dabei einem klassischen Experiment der Psychophysik, welches die absolute Schwelle eines wahrnehmbaren Reizes erforscht. In einer empirisch geschaffenen Situation, wendet Zipp solche detektierenden Methoden, im Hinblick auf das Verhältnis von bildender Kunst, wissenschaftlicher Forschung und religiöser Praktik an, so dass es zu einer Kulminierung der getrennten Fachbereiche kommt.
Eine Performance in Form einer rituellen Prozession wird dabei substanzieller Bestandteil der Ausstellung — oder des Experimentes — und integriert, indem sie die Ausstellungsräume hin zum öffentlichen Raum verlässt gleichfalls eine ungefragte Öffentlichkeit. Im Unterschied zur „RRR. (Method of Average Error)“, bei welcher der Protagonist selbstständig reguliert in welchem Verhältnis Stimulation und Reiz stehen, kann dieser Schritt mit ihrem Pendant, der „Method Of Constant Stimuli“, verglichen werden, bei welcher die Teilnehmer zufälligen, fremdgesteuerten Reizen unterliegen, so dass keine Habituations- oder Erwartungsfehler entstehen können.

Im Zusammenspiel mit einer neuen Serie von Gemälden und Zeichnungen, die sich hier auch als Manifeste oder Handlungsanweisungen lesen lassen, entsteht so ein multimediales wie interdisziplinäres Szenario. Und es stellt sich die Frage, in welchem Verhältnis Kunst, Wissenschaft und Religion zueinander stehen und ob sie lediglich einseitig betrachtet der Erkenntnisgewinnung dienlich sind, wenn sie doch auch als jeweilige Begleiterscheinungen des Anderen auftreten können. Eben hier knüpfen Thomas Zipps Überlegungen an und untersuchen künstlerische Arbeit und deren Potential, im Hinblick auf Entgrenzung und Verschmelzung mit wissenschaftlichen Fragestellungen und religiösen Praktiken.

Rosa Windt

 

Dauer:
15.05. — 18.05. 2015

Galerie Genscher/Park, Millerntorplatz 27–48, 20359 Hamburg (U3 St. Pauli) am südlichen Eingang zu den Großen Wallanlagen/Planten un Blomen.

 

 

Link zum Lageplan hier -> http://bit.ly/1ubxxr0