JE SUIS SANS SOUCI

05.08.2011, 19.00h

„je suis sans souci“

avec

Christin Kaiser, Aleen  Solari, Youngjin Song, Anna Steinert, Christoph Wüstenhagen

je suis sans souci

„Als Sommerresidenz erbaut, sollte Schloß Sanssouci ein Ort für Preußens feinsinnigen König sein, persönlichen Interessen wie den schönen Künsten ganz sorgenfrei nachgehen zu können. Friedrich der Große ist tot. Es bleibt ein Schloß, welches man durchwandeln kann mit einem autistisierenden Multimediaguide, der einem die besonders schönen Stellen verrät, die festzuhalten, abzubilden und weiterzutragen sind. Nicht nur die idyllische Mühle von Sanssouci ist zur musealen Vorführung nachgebaut, sicherlich hat ein preußenbegeisterter Sultan eine 1,5-fach vergrößerte Kopie zum Privatvergnügen errichten lassen. Einstmals hätte man als angehender Künstler das Schloß zeichnerisch kopiert, mit jedem einzelnem Rebstock gemalt und sich an Farben und Formen à la nature geübt. Für einen heutigen Kunstschaffenden wäre es anerkannter a)lustig: ein Nachbau aus Wiener Würstchen und das ganze als „Soucisson“ zu betiteln b) kritsich: ein Nachbau aus Make-up und Lippenstift mit dem Verweis auf die Schloß-gleichnamige Pflegeproduktserie, deren Markenbotschafterin für Moisture und Clear Skin eine vermarktete majästetische Aura ist c)stylisch: rohe Dachlatten, Bauschaum, Kritzischwämme, Glitzerstaub. Zum zeitgenössischen Akademismus zählt das Spiel mit dem schlechten Geschmack; Glitzer, Gold, Smilie und Plastik, Laminat, Engelsflügel und Automatenklimbim werden durch das Bewußtsein der Ironie, die genialistische Brechung, das Augenzwinkern, das erwartet wird, erträglich und im besten Fall zu Kunst. Doch ist dies das Gegenteil von subversiv.

Dieses kanonisierte Spielen, Kombinieren und Machen mit dem Billigen, Unechten, Verzuckerten, Verkitschten und Trashigen, dieses Neon-Historisieren ist ein Beschäftigigen sans souci. Doch wie mag man diesem entgehen? Dem Schönen ist zu misstrauen, da es das Wahrhafte blendet, sagt man. Das Dilemma um das Formsampling oder das Dilemma der Form für die Form ist vielleicht ein Verlangen nach Wahrhaftigkeit oder Ernst oder einem sorglosen Querflötenkonzert in der Galerie Genscher im Sommer.“

Christin Kaiser

„Kitsch. Ab wann ist etwas kitschig und wenn es das ist, also wenn es doch passiert ist und der pinsel zu fein war, immerhin hat Dali den Einhaarpinsel erfunden, was hat das für die Rezeption zu bedeuten? Macht Kitsch blöd? War Wagner kitschig? Wie verhält man sich gegenüber Kitsch, vor allem, wenn man sich dieser Thematik als Ausstellungsthema bedient? Wird die Ausstellung dann auch kitschig? Holen wir uns den hamburger Dom in die Galerie Genscher und erschaffen einen strahlenden Ausstellungsraum wo alles blitzt und glänzt? Oder bauen wir ein Museum nach, welches sich analytisch mit der Geschichte von Kitsch auseinander setzt? Vielleicht haben wir auch 100 Perserkatzen dressiert die am Eröffnungsabend die Marktstrasse entlang marschieren. Angeführt von einem Pfau! Was auch immer passiert, es gibt keine kandierten Äpfel zum Frühstück!“

Christoph Wüstenhagen


„je suis sans souci“ 05.08.2011, 19.00h

Galerie Genscher, Marktstraße 137 – 139, 20357 Hamburg