„a piece of soap“

Die Galerie Genscher überarbeit derzeit das weitere Jahreprogramm. Währendessen realiseren Laura Laipple & Louis Bindernagel im Mai / Juni 2020 ein Übergangsprogramm ohne Publikumsverkehr.
Where do you place your soap when there is no place for you?
Ausgangssituation
Das Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Samos gehört zu den fünf Hotspots der Ägäis.Aufgrund seiner Nähe zur türkischen Grenze, bildet es einen der ersten Berührungspunkte vielerGeflüchteter mit der EU. Eine zehnfache Überbelegung der ursprünglichen Kapazität führt zumenschenunwürdigen Verhältnissen. Ein Großteil der Geflüchteten ist gezwungen in improvisiertenBehausungen ohne Wasser und Strom außerhalb des offiziellen Lagers unterzukommen. FehlendeInfrastruktur und die extreme Überlastung führen zu einer Vermüllung der gesamten Umgebung.Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal, sanitäre Anlagen unzureichend und ininakzeptablen Zuständen. Dies begünstigt die Ausbreitung von Krankheiten innerhalb einer ohnehindurch die Lebensbedingungen geschwächten Gruppe.Ein Virus wie Covid-19 stellt in einer solchen Umgebung eine absehbare Katastrophe dar.Grundlegendste Hygiene benötigt fließend Wasser und Seife.

Seife
In Zeiten von Pa piece of soapandemien wie Covid-19 wird Hygiene eine besondere Bedeutung zuteil. DasHändewaschen mit Seife ist eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen um die Infektion undÜbertragung des Virus zu verhindern. Die in der Seife enthaltenen Waschsubstanzen lösen Schmutzund Mikroben von der Haut. Durch das Einreiben der Hände werden Keime mechanisch entfernt.Das mit körperlicher Hygiene einhergehende psychische Wohlbefinden ist für Menschen inlebensunwürdigen Situationen wie Samos von elementarer Bedeutung.

Entwurf
Bei Asylsuchenden handelt es sich um eine höchst mobile Zielgruppe. Provisorische Unterkünfte,sowie die Strukturen im Lager erfordern flexible Lösungen. Das alltägliche Leben findet größtenteilsdraußen oder in gemeinschaftlich genutzten Institutionen statt. Private Besitztümer sind aufs nötigstereduziert. Ziel des Entwurfs ist ein transportabler Seifenbehälter, der den Geflüchteten trotzmangelnder Strukturen eine grundlegende Hygiene und eine saubere Aufbewahrung der eigenenSeife ermöglicht. Hergestellt mittels Low-Tech Injection Moulding können vor Ort in kürzester Zeitgroße Stückzahlen produziert werden. Als Material fungiert der im Lager und Umgebung gesammeltePlastikabfall. So unterstützt das Projekt nicht nur die individuelle Körperpflege, sondern trägt zu einergenerellen Verbesserung der hygienischen Situation bei.

Umsetzung
Im Rahmen eines klassichen gestalterischen Prozesses wird Form und Funktion einer transportablenSeifen-Dose entwickelt. Aus einer Kombination aus digitalem und analogem Formbau werden, mit derHilfe von 3D Druckern, Papiermodellen und digitalen, als auch analogen Zeichnungen, verschiedeneAnsätze ausprobiert. Vor Ort wird die Seifen-Dose in Zusammenarbeit mit lokalenRecyclingwerkstätten und Seifenproduzenten hergestellt und vermarktet. Der erzielte Gewinn wird inSeifenstücke investiert, welche in die Hotspots nach Griechenland geschickt werden. Zu einemspäteren Zeitpunkt, wenn die Umstände es zulassen, werden vor Ort zusammen mit Geflüchteten undmit Hilfe des Projektes Precious Plastic Samos (Not for your distinction e.V.) die gleichen Dosenhergestellt.

Die Gallerie Genscher fungiert als Lokalität für dieses Projekt, sowohl als kreative Werkstatt für dieDesigner zum arbeiten, als auch um den Entstehungsprozess dokumentarisch aufzuarbeiten und fürBesucher zu visualisieren. Ferner ermöglicht sie es der Problematik mit dem das Projekt sichbeschäftigt, also der Massenmigration und Umweltverschmutzung, eine größere Reichweite unddamit mehr Aufmerksamkeit zu geben.

Laura Laipple & Louis Bindernagel